Update 18.11.2024: Ich habe Razer Freyja inzwischen auch mit zwei Spielen getestet, die mit Razer Sensa HD Haptics kompatibel sind (Silent Hill 2 und Final Fantasy 16) und meine Erfahrungen im Beitrag ergänzt.
Wenn ich nicht gerade auf meinem Walkingpad laufe, lasse ich mich beim Spielen und Arbeiten im Sitzen neuerdings von Razers Freyja durchrütteln. Das ist eine Stuhlauflage mit verschiedenen Vibrationsfeldern, die durch akustische Signale aktiviert werden.
Und da ich haptisches Feedback liebe, kam das Angebot, dieses Teil einmal auszuprobieren, gerade recht.
Auf Waschmaschinen setzen ist jetzt unnötig
Beim Testen von PC-Lenkrädern in Rennsimulationen saß ich oft da, mit dem vibrierenden Racing Wheel in den Händen und fragte mich, warum das möglichst lebensnahe Fahrgefühl schon bei der Steuerung aufhören soll.
Schließlich gibt es bereits seit Jahren einiges an vibrierender Gaming-Hardware, um uns noch tiefer in unsere Spielwelten hineinzuziehen. So hatte ich beispielsweise schon einige Gaming-Headsets mit Force Feedback und Rumble bei Controllern ist für mich Pflicht.
Wenn es aber um Sitzgelegenheiten mit haptischem Feedback geht, bietet der Markt derzeit kaum etwas an und es kann doch nicht angehen, dass Spieler sich erst auf ihre Waschmaschine im Schleudergang setzen müssen, um Asphalt unter den Reifen zu spüren?
Razer scheint mit dem Projekt Freyja
diese Lücke nun endlich schließen zu wollen. Das Gerät soll durch Vibrations-Feedback die Immersion, sowohl in Filmen, als auch in Spielen und beim Musikhören, erhöhen.
Die Stuhlauflage liefert haptisches Feedback und ist speziell für Gaming-Chairs designt. Daher ist die Rückenlehne hoch. Das kommt einem klassischen Rennfahrerdesign natürlich entgegen.
Freyja und ihr Seiðr
Erstaunlicherweise passt der Name Freyja in vielerlei Hinsicht sehr gut zum Gerät. Freyja ist in der nordischen Mythologie nicht nur die Gottheit für alles rund um Liebe und Fruchtbarkeit, sondern kann auch einen großen Wissensfundus in Sachen Wanenmagie und Zauberei vorweisen. Das altnordische Wort für Zauber ist Seiðr.
Tatsächlich kann haptisches Feedback, wenn es gut auf das Spiel oder die Musik abgestimmt ist, etwas Magisches an sich haben. Mit der Entwicklung des HD-Kissens hat Razer etwas geschaffen, das es so in diesem Konsumerbereich bisher nicht gab.
Göttin der Fruchtbarkeit oder des PMS?
In meiner ersten Woche mit Freyja ging es mir nicht so gut. PMS. Ich hatte starke Kopf- und Rückenschmerzen. Dazu kamen Verspannungen, ausgelöst durch die Schmerzen sowie Unkonzentriertheit. Ein richtig besch...eidener Tag eben.
Bewaffnet mit meinem Razer Blade 17, Lavendel-Tee, einer Kuscheldecke und Katze Linda wollte ich mich gerade zum Zocken auf das Sofa verkrümeln, als mir die Idee kam, Freyja bei der Gelegenheit auch gleich auszuprobieren.
Um die Wartezeit bis zum nächsten The-Dark-Pictures-Anthology-Spiel Directive 8020 zu überbrücken, hatte ich mir The Casting of Frank Stone gekauft und auch schon installiert. Ich war ziemlich gespannt, was Freyja zur Immersion beitragen kann.
Vom Sofa aus spielend, war das Ergebnis allerdings ernüchternd. Die Vibrationen wurden überwiegend vom weichen Untergrund geschluckt. Gut, hätte ich mir denken können, aber einen Versuch war es wert.
Der sanfte Puls, der es aber trotzdem bis zu meinen Pobacken und zum Rücken schaffte, entspannte mich ungemein. So sehr, dass ich Freyja laufen ließ, als ich keine Lust mehr auf Frank Stone hatte und mir zum Essen eine Folge meiner Lieblingsserie Our Flag Means Death anstellte.
Dabei spürte ich jedoch noch weniger vom haptischen Feedback. Lediglich sehr tiefe Stimmen, Schussgeräusche und Musik werden registriert, selbst bei einem härteren Untergrund wie meinem Gaming-Stuhl, auf dem ich die gleiche Folge später noch einmal ansah.
Eine einfache Massagestuhlauflage hätte diesen Job vermutlich ähnlich oder besser erledigt – für weniger Geld. Ich kann es aber nicht mit Sicherheit sagen, weil ich noch nie eine ausprobiert habe.
Freyja und ihre Katzen
Freyja reist laut Sage in einem Streitwagen, der von zwei riesigen Waldkatzen gezogen wird – Bygul und Trjegul. Auch das passt meiner Meinung nach perfekt zur Stuhlauflage:
Sobald ich meine geliebten Leoniden morgens mit ihrem Frühstück versorgt habe und ich mich zum Arbeiten an meinen Gaming-Desk setze, kommt innerhalb kürzester Zeit mindestens eine der drei zu mir und möchte auf meinen Schoß.
Zuerst waren die Seniorinnen ziemlich abgeschreckt von dem Vibrieren, doch inzwischen scheinen sie es sogar zu genießen. Sie bleiben länger als sonst bei mir liegen, wenn ich über das Headset Musik höre und Freyja dazu im Takt pulsiert.
Meine Theorie: So ein leicht vibrierender Mensch hat etwas Schnurriges. Metamorphose abgeschlossen! Mein Mensch ist jetzt auch eine Katze!
könnten sie sich gedacht haben.
1:00
Das Razer Freyja mit immersiven HD-Haptics im Trailer
Headbanger's Ballroom
Für mich kann Freyja mit Musik eher punkten als bei Spielen oder Filmen. Ich habe über mehrere Wochen hinweg während der Arbeit Musik mit Freyja unter dem Hintern gehört. Dabei stellte sich schnell heraus, dass sich nicht jedes Genre gut für das HD-Kissen eignet.
Bei einem Namen wie Freyja
startete ich meine musikalische Klangprobe selbstverständlich mit Amon Amarths Album Jomsviking
und genau das empfand ich auch als perfekt dafür. Klänge und Rhythmus sind bei der Melodic-Death-Metal-Band meistens eher schwer und langsam. Es gibt immer wieder tonale Pausen, sodass Freyja nicht durchgängig gleichbleibend vibriert.
Witzigerweise konnte ich die einzelnen Songs alleine anhand des haptischen Feedbacks erkennen, also bei abgeschaltetem Headset-Ton. Die Schallwellen der Vibrationen werden großartig wiedergegeben.
Wanderer
mutierte mit Freyja für mich sogar zu einem viel besseren Song, weil die derberen Partien hervorgehoben werden. Das macht ihn für mich persönlich attraktiver und zieht mich mehr in die Geschichte, die er erzählt.
Die Sitzauflage erzeugt selbst übrigens auch eine beachtliche Geräuschkulisse, wenn Jomsviking auf höchster Stufe durchläuft. In dem folgenden Video habe ich ergänzend zu Freyja auch noch das Razer Kraken V4 Pro (Test) mit haptischem Feedback laufen lassen:
1:11
Razer Freyja vibriert mit dem Kraken V4 Pro um die Wette
Bei vielen Songs von Bloodywood war genau das Gegenteil der Fall. Die Töne kommen zu schnell und Freyja schmeißt sie uns einfach gleichzeitig in den Rücken.
Zu viel Bassgitarre am Stück ist ebenfalls nicht gut, egal, wie ruhig der Song eigentlich ist. Bestes Beispiel ist das Lied Fjara
von Sólstafir. Insbesondere auf höchster Stufe dröhnt die Stuhlauflage nur noch vor sich hin.
Gleiches Instrument, andere Band, andere Stimme: Motörheads God Was Never on Your Side fordert Freyja zwar heraus, die kräftige Stimme wird aber optimal übertragen.
Bei Don't Talk to Strangers live von Dio durchfuhr mich mit Einsetzen des Schlagzeugs sogar ein angenehmer Schauer. Der Rest des Stücks ab da war jedoch wieder zu viel auf einmal für Freyja.
Absolut überzeugend unterstrichen wurde hingegen Iron Maidens Live-Konzert von vor sechs Jahren in Dortmund, allen Stücken voran Fear of the Dark. Generell passt Freyjas Feedback toll zu Live-Musik.
Anstelle des Razer Kraken V4 Pro Headsets, das ich parallel zum Testen benutzt habe, wünschte ich mir hier aber das Beyerdynamic MMX 330 Pro zurück, das ich ebenfalls fantastisch für Live-Musik, aber auch generell finde:
Das liegt nicht bloß an der überragenden Qualität des Beyerdynamic Headsets, sondern auch daran, dass die Sitzauflage das haptische Feedback des Headsets teilweise überlagert hat.
Haptisches Feedback ist nichts Neues
Alles schön und gut, doch nun kommt es zum großen Aber. In Spielen konnte mich Freyja nicht überzeugen und aktuell werden auch noch viel zu wenige Spiele vollumfänglich unterstützt. Bei den Titeln, die bereits dabei sind, würde ich teilweise nicht unbedingt erwarten, dass sie prädestiniert für haptisches Feedback sind, wie zum Beispiel Frostpunk 2.
Ich konnte Freyja leider mit keinem der fünf vollunterstützen Titel ausprobieren, aber rein theoretisch sollen alle Spiele von Freyja profitieren können, in der Praxis sieht es aber anders aus:
Die nicht unterstützten Titel werden rein über Audio vom Gerät erkannt. Das heißt, dass alle Aspekte der allgemeinen Soundkulisse als Vibrationen wiedergegeben werden.
Update: Sowohl Final Fantasy 16 als auch Silent Hill 2 (Remake) sind mit Razer Freyja kompatibel. Ich habe beide Titel mit dem Gaming-Kissen ausprobiert, bleibe aber bei meinem Resümee im letzten Abschnitt dieses Beitrags.
Mich störte, dass in Cutscenes überhaupt kein haptisches Feedback kommt und lediglich in Kampfszenen und aus unerfindlichen Gründen in Silent Hill 2, wenn der Protagonist einen Zettel aufhebt.
Während wir beispielsweise in Final Fantasy 16 eine Klippe herunterspringen, vibriert die Stuhlauflage nicht, wobei ich genau das auch dort erwarten würde. Generell kommt das Feedback also nur in seltenen Fällen und nicht immer dann, wenn es logisch wäre.
Wenn wir etwas eintreten, vibriert Freyja während die Taste angezeigt wird und nicht, während die Aktion (der Tritt) ausgeführt wird. Das irritierte mich persönlich eher, als dass es die Immersion verstärkt hätte.
In Kämpfen sollen getroffene Partien über die einzelnen Vibrationsfelder animiert werden. Diese Unterscheidung der Zonen konnte ich nur in äußerst seltenen Momenten wahrnehmen, in denen sie dafür aber gelungen ausfiel – zumindest dann, wenn die Haptics nicht auf der höchsten Stufe eingestellt sind, denn so lässt sich praktisch nichts mehr unterscheiden.
Beim Anschluss über die Audioerkennung hatte ich tatsächlich mehr von Freyja. Sensa HD Haptics wirkt auf mich noch etwas unausgereift, aber ich bin mir sicher, dass Razer dies weiter optimieren wird, bzw. mit den Spieleentwicklern im Austausch steht.
Also Musik, Effekttöne, Stimmen und so weiter. Das bedeutet, dass Freyja einfach alle Signale bunt mischt, sodass ein permanentes Vibrieren des kompletten Kissens entsteht.
Man kann in der Software alternativ auch nur tiefe oder hohe Frequenzen abdecken, wenn nur Audio zur Verfügung steht. Hier ist aber einiges an Feintuning nötig und es ist umständlich, Freyja auf das Spiel abzustimmen.
Weitere Spiele sind bereits für Freyja angekündigt und könnten ideal zum HD-Kissen passen. Ich könnte mir da MechWarrior 5 wunderbar zu vorstellen, weil man ja sowieso in einem großen Mech sitzt, der ordentlich ruckeln dürfte. Aber die Auswahl ist überschaubar.
Kollegin Annika von GamePro hat letztes Jahr ein Shirt getestet, das mit Elektroden versehen ist und einen ähnlichen Zweck erfüllen soll – OWO Skin
. Ihr Testmodell war eine Sonderedition für Assassin's Creed Mirage. Lest folgend, wie diese Erfahrung sich für sie anfühlte:
Je nach Onlineshop kostet das Hemd zwischen 300 und 600 Euro. Ich persönlich würde mir da aber lieber das Razer Freyja kaufen, weil ich nur ungern enge Klamotten aus synthetischem Material trage. Die Stuhlauflage kostet rund 300 Euro.
Abschließend finde ich Razer Freyja zwar nett aber nicht unverzichtbar. Haptisches Feedback ist nichts Neues mehr. Die 300 Euro mögen zwar gerechtfertigt sein, ich würde sie aber nicht bezahlen wollen. Wer aber genau diese Art der Audioerweiterung sucht, findet nur wenig Vergleichbares.

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