Insbesondere die vergangenen Generationen an Smartwatches haben es sich zur Aufgabe gemacht, unsere Gesundheit zu begleiten und sie (wo möglich) zu fördern.
Auf Reddit wird genau angesichts einer solchen Funktion im Subreddit zur Apple Watch rege diskutiert: Ein Nutzer stellte hier fest, dass seine Herzfrequenz an Morgen, nach dem er Alkohol getrunken hatte, rapide anstieg. Hinter der Diskussion verbirgt sich tatsächlich ein medizinisch gut belegtes Phänomen.
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Talk über Wearables 2025 im Praxischeck: Smartwatch, Armband oder Ring?
Was die Medizin dazu sagt: Bis zu 24 Stunden erhöhter Puls
Zunächst einmal zum Reddit-Beitrag an sich: Der Nutzer Ok_Iron2847
veröffentlichte ein einfaches Bild von seiner Apple Watch, die einen Puls von bis zu 156 bpm am frühen Vormittag anzeigte.
Entsprechend wandte sich Ok_Iron2847
an das Subreddit mit der Frage, woran das liegen könnte – auch wenn er im Satz zuvor selbst schon die Lösung nannte, denn die erhöhte Herzfrequenz folgte immer, wenn er am Vorabend getrunken hatte.
Diese Beobachtung deckt sich mit der Forschung. So erhöht bereits moderater Alkoholkonsum die Herzfrequenz für mehrere Stunden, Bei mehr als zwei Standardgetränken kann der Puls bis zu 24 Stunden erhöht bleiben.
- Der dahinter liegende Mechanismus ist schnell erklärt: Alkohol weitet die Blutgefäße, sodass der Blutdruck kurzfristig sinkt und das Herz schneller pumpen muss.
- Gleichzeitig aktiviert Ethanol das sympathische Nervensystem und hemmt den Parasympathikus; das Abbauprodukt Acetaldehyd wirkt zusätzlich kardiotoxisch.
Link zum Reddit-Inhalt
Von der MunichBREW-II-Studie zum »Holiday-Heart-Syndrom«
Die bislang größte Untersuchung dazu ist die MunichBREW-II-Studie, die 2024 im European Heart Journal veröffentlicht wurde.
Forscher des LMU Klinikums München statteten über 200 gesunde junge Erwachsene mit 48-Stunden-EKGs aus.
- Während der Trinkphase stieg die durchschnittliche Herzfrequenz auf 97 Schläge pro Minute. Auch in der darauffolgenden Erholungsphase blieb das Herz messbar belastet.
- Bei über fünf Prozent der Probtraten klinisch relevante Herzrhythmusstörungen auf – darunter auch Vorhofflimmern. Diese Symptome zeigten sich überwiegend nicht beim Trinken, sondern in den Stunden danach, wie sie die Apple Watch im obigen Beispiel eben anzeigt.
Dieses Muster hat in der Kardiologie tatsächlich einen eigenen Namen und wird als »Holiday-Heart-Syndrom« beschrieben. Damit werden Herzrhythmusstörungen bezeichnet, die 24 bis 48 Stunden nach starkem Alkoholkonsum bei gesunden Menschen auftreten.
Neben der Wirkung auf das Nervensystem spielen laut der AOK auch Elektrolytstörungen eine Rolle. Alkohol entzieht dem Körper Kalium und Magnesium, die beide für einen stabilen Herzrhythmus wichtig sind. Immerhin: In rund 90 Prozent der Fälle normalisiert sich das Vorhofflimmern innerhalb von 48 Stunden.
Was Smartwatches leisten können – und was nicht
Die Apple Watch und vergleichbare Wearables erfassen unter anderem den Ruhepuls und die Herzfrequenzvariabilität; moderne Uhren können auch mehrere Vitalwerte gleichzeitig überwachen.
Damit machen sie Muster sichtbar, die sonst unbemerkt bleiben – eine ärztliche Diagnose ersetzen sie nicht.
Ok_Iron2847
betont deshalb vollkommen zurecht, dass er bereits einen Kardiologietermin vereinbart hat, auch wenn bisherige Tests unauffällig waren. Auch für euch gilt: Wenn ihr wiederholt auffällige Werte registriert, solltet ihr euch nicht einfach nur auf eure Smartwatch verlassen, sondern sie mit dem Arzt eures Vertrauens abklären.
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